Projektvorstellung

Die Kommunikation mit dem Patientenbesitzer nimmt in der tierärztlichen Arbeit einen besonderen Stellenwert ein. Neben der Notwendigkeit eines effektiven Informationsaustauschs im Rahmen von Anamnesegesprächen fördert gute Kommunikation eine langfristige und belastbare Tierarzt-Patientenbesitzer-Bindung.

Fokus Tiergesundheit ist ein Dissertationsprojekt des Instituts für Veterinärepidemiologie und Biometrie (Freie Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin), das sich mit der Frage beschäftigt, wie die Kommunikation während eines tierärztlichen Gespräches von den Beteiligten wahrgenommen wird und welche Vorstellungen die beiden Parteien von einer „guten“ Kommunikation haben.

Vor diesem Hintergrund wurde in einer ersten deutschlandweiten Umfrage unter Patientenbesitzer/innen erfasst, wie sie die Kommunikation an verschiedenen Punkten der Behandlung wahrnehmen. Die Daten der insgesamt knapp 1300 vollständig ausgefüllten Fragebögen werden derzeit ausgewertet.

In einer zweiten Umfrage unter praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten wird nun ein entsprechendes Meinungsbild der Tierärzteschaft erstellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei neben der Erfassung der Vorstellungen von Tierärzten zur „guten Kommunikation“ auf der Fragestellung, wie sich das Informationsverhalten der Patientenbesitzer mit der zunehmenden Nutzung des Internets als Informationsquelle verändert hat und welche Auswirkungen dies auf die tierärztliche Arbeit hat.

Die Befragung der Tierärzte findet zwischen dem 16. November 2016 und dem 31. März 2017 statt.

 

Kommunikation im tierärztlichen Gespräch

Die Beziehung zwischen Tierarzt und Patientenbesitzer ist ein außergewöhnliches soziales Konstrukt, das auf dem Vertrauen der Patientenbesitzer zum Tierarzt basiert. Kompetenzen im Bereich Kommunikation – verbal wie nonverbal – sind neben der fachlichen Kompetenz unerlässlich, um dieses empfindliche Vertrauensverhältnis zu erarbeiten und zu erhalten.

In den vergangenen Jahren hat sich im humanmedizinischen Bereich in diesem Zusammenhang das Modell der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making, SDM) als erfolgversprechendster Ansatz zum Aufbau einer guten Arzt-Patienten-Beziehung durchgesetzt. Dieses Modell beruht nach Charles et al. (1990) darauf, dass mindestens zwei Parteien in eine medizinische Entscheidung (Diagnostik, Therapie etc.) involviert sein müssen. Dabei werden beide Parteien aktiv in den Entscheidungsprozess eingebunden, und Informationen werden rund um die Erkrankung konsequent ausgetauscht. Letztlich wird eine Entscheidung getroffen, hinter der beide Parteien stehen und für die beide Parteien die Verantwortung tragen. Aus diesem Modell ergibt sich die Notwendigkeit, Patienten(besitzern) wissenschaftlich fundierte Informationen zu allen Aspekten rund um die jeweilige Erkrankung in leicht verständlicher Art zur Verfügung zu stellen, damit sich Patientenbesitzer angemessen an der Entscheidung beteiligen können. Hierfür wurden in der Vergangenheit bereits einige Ansätze zur Verbesserung der Informationsstrukturen (Informationsseiten, Entscheidungshilfen etc.) erarbeitet.

Ziele der Studie

Da dieses Modell der partizipativen Entscheidungsfindung auch für die tierärztliche Praxis geeignet ist, scheint eine wissenschaftliche Erarbeitung des Status quo der aktuellen Situation und die Erstellung eines Meinungsbildes unter Tierärzten sinnvoll und notwendig.

Anhand der Befragungsergebnisse wird untersucht, ob und an welchen Punkten während einer Behandlung Probleme in der Kommunikation zwischen Patientenbesitzern und Tierärzten auftreten. Auf Grundlage der Erkenntnisse werden Anregungen zur Optimierung der Kommunikation in tierärztlichen Gesprächen erarbeitet. Darüber hinaus werden vor dem Hintergrund der Studie Chancen und Herausforderungen der sich digitalisierenden veterinärmedizinischen Informations- und Arbeitswelt diskutiert.

Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Studie, sondern schaffen die wissenschaftliche Grundlage für Diskussionen über den Umgang mit den Herausforderungen der Kommunikation im tierärztlichen Gespräch unter dem Einfluss einer wachsenden Selbstinformation der Patientenbesitzer. Die Beantwortung des Fragebogens nimmt etwa 15 Minuten Ihrer Zeit in Anspruch.

Fokus Tiergesundheit ist ein Projekt der Arbeitsgruppe Angewandte Veterinärepidemiologie des Instituts für Veterinärepidemiologie und Biometrie (Fachbereich Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin) unter der Leitung von PD Dr. Roswitha Merle. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

Bei Rückfragen

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